Neuer Glanz für alte Steine

Buergerstiftung Coesfeld unterstuetzt Fredesteene-Restauration in Coesfeld

03.08.2007  Bürgerstiftung plant Restaurierung der vier Fredesteene / Grenzen der Gerichtsbarkeit
Von Norbert Klein

Denkmalpfleger Hubert Feldmann ist begeistert. „Das ist eine gute Idee“, kommentiert er die Absicht der Bürgerstiftung Coesfeld. aus Mitteln der von ihr verwalteten Addy-Bosten-Stiftung die vier noch vorhandenen Fredesteene zu restaurieren. Den Zeitpunkt hält er für ideal: Zum Einen können die markanten, unter Denkmalschutz stehenden früheren Symbole Coesfelder Gerichtsbarkeit eine Auffrischung gut gebrauchen, zum Anderen hat das Marktkreuz als Hauptzeichen Coesfelder Rechts soeben eine vom Stadtmarketing Verein Coesfeld & Freunde finanzierte Restaurierung erfahren. „Und im selben Glanz können demnächst auch die Fredesteene erstrahlen“, freut sich Robert Lenfers als Vorsitzender der Bürgerstiftung Coesfeld über das neue Projekt.

Die Freude darüber ist auch ganz aufseiten von Stadtarchivar Norbert Damberg. „Macht und Hoheitsbereiche im Mittelalter waren nicht an Mauern und Gräben gebunden. Gerade das Umland mit den Gärten und Äckern, Wiesen und Weiden der Bürger musste als Eigentum, als Rechtsbezirk, markiert werden“, erläutert der Historiker.  Hierzu dienten Steine, die als Pfähle bezeichnet wurden. Vornehmlich an den Hauptverkehrsstraßen stehend bezeichneten sie die Grenzen des stadteigenen Rechtes oder „Freden“ für das heutige Wort „Frieden“. Um ihre Zugehörigkeit zu definieren, hatten sie das Wappenbild der Stadt, der Gemeinde oder des Dorfes eingraviert. Vor allem im Münsterland sei diese Praxis igeläufig gewesen.

Auch Coesfeld hatte seine Grenzmarken, um die Größe der städtischen Freiheit nach außen abzugrenzen. An vier Stellen finden sich die Steine heute noch: An der Dülmener Straße (in der Hecke am Grundstück Ecke Karlstraße), an der Straße am Fredesteen (Grünanlage Sackgasse), an der Holtwicker Straße (bei Reifen Löb) und an der  Stadtwaldallee (Teich). Von historischen Karten sind weitere Standorte annähernd bekannt. Im Laufe der Zeit, spätestens jedoch im 18. Jahrhundert, sei, so Damberg,   zunehmend die Bedeutung dieses Rechtsbereichs verwischt worden, denn die absolute Landesherrschaft habe  keine eigenen bürgerlich autonomen Rechtsbezirke geduldet.

Der Gymnasialprofessor Sökeland beschreibt 1839 in seiner Geschichte der Stadt Coesfeld auf 19 Seiten das von den Fredesteinen eingegrenzte Territorium der Fredesteine anhand alter Urkunden. Damberg: „Wie die Steine aussahen, wissen wir heute nicht mehr.“ Denn schon 1947 machte sich der Heimatverein im Sinne des historisierenden Wiederauflebens alter städtischer Autonomie an die Arbeit, „die Fredesteene an historischen Orten“ neu zu setzen. Ein Bildhauer gab ihnen mit dem Coesfelder Ochsenkopf ein merkliches Bild. Damberg: „Vermutlich aber trugen die historischen Originale ein Kreuz als Zeichen des Rechtsraumes außerhalb der eigentlichen Stadtmauer“.

Wie umfangreich die Restaurierung ausfallen muss,  wird seitens des Denkmalamtes  unter Einschaltung von Experten geprüft. Von der Säuberung bis zur Generalüberholung ist alles möglich, denn die Steine befinden sich in einem qualitativ höchst unterschiedlichen Zustand, obwohl es vor gut 15 Jahren eine Generalüberholung gab.
 Denkmalpfleger Hubert Feldmann kann sich gut vorstellen, die historischen Steine durch eine Umpflasterung in ein besseres Licht zu rücken. Wünschenswert wären auch kleine Tafeln mit Erläuterungen. In welchem Umfang die Restaurierung machbar wird, hängt von den finanziellen Möglichkeiten der Addy-Bosten-Stiftung ab. Wenn konkrete Kostenvoranschläge auf dem Tisch liegen, will der Vorstand der Bürgerstiftung das Restaurierungs-Konzept in Abstimmung mit dem Denkmalamt abschließend verabschieden.

Wer die Restaurierung der Fredesteene unterstützen möchte, kann dies durch eine Spende auf das Konto der Addy-Bosten-Stiftung Nr. 35.014.851 (Sparkasse Westmünsterland BLZ 401.545.30) tun.


Zum Thema:

Addy-Bosten-Stiftung

Adele „Addy“ Bosten ist die Frau des früheren Bürgermeisters und Stadtdirektors Joseph Bosten. Bosten war erstmals von 1925 bis 1936 Bürgermeister in Coesfeld und wurde nach dem Krieg erster hauptamtlicher Stadtdirektor. In dieser Funktion prägte er  maßgeblich den Wiederaufbau der Stadt. 1956 ging er in Pension, er verstarb 1969. Im Jahre 1982, elf Jahre vor ihrem Tod, vermachte Addy Bosten der Stadt 135.000 DM ihres Nachlasse, der in die Addy-Bosten-Stiftung einfloss mit dem Ziel, Kunst und Kultur in der Stadt zu fördern. Seit Mai 2005 wird die Addy-Bosten-Stiftung von der Bürgerstiftung  verwaltet. Mehrere Projekte wurden bereits gefördert, so der Ankauf der Skulptur „Die Tänzerin“.