Für jedes Kind einen Lesepaten

Buergerstiftung Coesfeld unterstuetzt Lesepaten in Coesfeld
Präsentieren den Flyer für das neue Projekt Mentoring Coesfeld: (v.l.) Lothar Sander (Pfarrer), Monika Terwey (Bücherei), Dr. Thomas Robers (Schuldezernent), Edwin Kraft (Bürgerstiftung), Robert Lenfers (Bürgerstiftung), Lore Schorn (Bücherei)

09.08.2008 Neues Projekt der ev. Gemeindebücherei / Kostenlos individuelle Förderung

Die Augen von Lore Schorn leuchten. „Stellen Sie sich das vor. Jedes Kind bekommt seinen eigenen Lesepaten, der seine Lesefreude weckt und ihm hilft, Texte zu verstehen. Eine solche 1:1-Förderung, ganz individuell und kostenlos, das ist etwas Neues und Einmaliges“, gerät die Leiterin der Evangelischen Gemeindebücherei ins Schwärmen, wenn sie von dem Bücherei-Projekt berichtet, das mit Unterstützung von Bürgerstiftung und Stadt startet. Es trägt den Namen „Mentoring Coesfeld“ und ist ein Programm für Kinder im Grundschulalter, die mit dem Entziffern und Verstehen von Texten  Mühe haben. Schorn: „Ziel ist es, diese Jungen und Mädchen individuell zu fördern, um ihnen so eine bessere Schullaufbahn zu ermöglichen und ihre Chancen auf einen guten Start in den Beruf zu erhöhen.“ In vielen Familien kämen Lesen und Literatur heute kaum oder gar nicht mehr vor. „Wir übernehmen  mit der Lesesozialisation eine Aufgabe, die Eltern früher wahrgenommen haben und die Schule heute  nicht mehr leisten kann“, so Schorn. Pfarrer Lothar Sander betont einen weiteren Aspekt: „In diesem Projekt  erfahren Kinder eine sehr persönliche Zuwendung und Wertschätzung. Jemand schenkt  ihnen  kostbare Zeit.“
 
Schon haben die Initiatoren Kontakt zu den  Grundschulen geknüpft. „Das Interesse ist riesig“, sagt Lore Schorn. Nun sind sie und ihre Mitstreiter auf der Suche nach ehrenamtlichen Lesepaten, die bereit sind, sich auf einen kleinen Schützling einzulassen.    Freude an Kindern und Freude am Lesen sollten die Mentoren mitbringen. Alles was sonst für ihren Einsatz nötig ist, erarbeiten sie mit der Pädagogin Magdalene Zumbült, die das Projekt begleitet. Nicht ganz kostenlos, weshalb sich die Verantwortlichen freuen, dass sie die Bürgerstiftung für eine Anschubfinanzierung gewinnen konnten. Vorstandsmitglied Edwin Kraft sagt, warum sich die Bürgerstiftung mit 2500 Euro einbringt, eine Summe, die auch geholfen hat, einen Stapel Bücher für das Projekt anzuschaffen: „Die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen ist unser erster Förderschwerpunkt. Und wir haben sehr positive Rückmeldungen von den bereits bestehenden Vorlesepatenschaften, die wir auch unterstützt haben. Das  Mentoring-Programm verstehen wir als  logische Fortsetzung.“ Dass durch Lesen Bildung und Kultur vermittelt werden, betont Stiftungs-Vorsitzender Robert Lenfers. „Das ist auch etwas, das wir fördern wollen.“
 
Das Projekt langfristig eng mit den Grundschulbibliotheken zu vernetzen,  regt Schuldezernent Dr. Thomas Robers an. „Bei der Ausstattung der Schulbibliotheken sollten wir zusammenarbeiten.“ Ausdrücklich unterstützt die Stadt das Programm, das andernorts wie etwa in Ratingen bereits erfolgreich läuft.
Der Erfolg hängt auch von der Zahl der Mentoren ab. Schorn: „Wir würden uns schon freuen, wenn sich etwa 20 Interessenten melden.“ Natürlich weiß sie, dass der Bedarf viel, viel  größer ist.
 
Die Evangelische Gemeindebücherei lädt zu einem Info-Abend ein, der  Dienstag (19.08.) um 19.30 Uhr in der Sparkasse Westmünsterland, Münsterstraße, stattfindet. Referenten sind Ina Bisani und Evelyn Derenthal (Mentoring Ratingen). Rede und Antwort stehen auch Lothar Sander  (Pfarrer), Lore Schorn (Bücherei), Monika Terwey (Bücherei), Edwin Kraft und Hubert Ruthmann (beide Bürgerstiftung), Dr. Thomas Robers (Schuldezernent).
 
Von Ulrike Deutsch (Coesfeld)
 
Mentoren: So wird man Lesepate
Lesepate (Mentor) kann jeder werden, der Freude am Umgang mit Kindern und Büchern hat. In der Regel trifft sich der Lesepate einmal in der Woche mit seinem Schützling, den seine Schule für das Programm auswählt. Mentoring Coesfeld stellt für den Anfang ein Buch zur Verfügung. Im persönlichen Miteinander sollen danach  Interessen und Vorlieben des Kindes ebenso wie des Paten die Lektüreauswahl bestimmen. Der Lesepate geht auf die Schwierigkeiten des Kindes beim Lesen, Sprechen und Schreiben ein und korrigiert behutsam  Schwächen. Er geht auch mit gutem   Beispiel voran, indem er vorliest. Gemeinsam sprechen  Kind und  Mentor über das, was sie gelesen haben, machen Sprach- und Bewegungsspiele. Vorbereitet werden die Lesepaten auf ihre Aufgabe von der Pädagogin Magdalene Zumbült. Einmal im Monat findet eine professionell moderierte Zusammenkunft statt. Dort können sich die Paten austauschen und erhalten Tipps. Die Treffen von Kind und Mentor sind  in der Schule, im Evangelischen Gemeindehaus oder in der Bücherei. Die Kinder sollen erleben,  dass Lesen spannend, witzig oder abenteuerlich sein kann.