Außerirdischer Besuch beim Projekt „Starkes Ich“ / Mittel aus Endler-Stiftung

Wie schmiert man ein Käsebrötchen ?

Deeskalationstrainerin Jutta Ameling zeigt den Schülern, wie einfach Miss- verständnisse entstehen und auch behoben werden können.

Coesfeld.   "Ist doch ganz einfach", ist sich Amir sicher. Doch gemeinsam mit seinen Mitschülern musste er feststellen, dass es gar nicht so leicht ist, einem Marsmännchen, das die Gepflogenheiten auf der Erde nicht kennt, zu erklären, wie man ein Käsebrötchen schmiert. Die Kinder der zweiten Klassen der Maria-Frieden-Grundschule, die an dem Projekt  "starkes Ich, nettes Du, unschlagbares Wir" teilnahmen, hatten die Aufgabe, dies ohne Gesten, nur mit Hilfe der Sprache zu tun.

"Nimm das Messer in die Hand", ordnete Gerrit an und der Marsmensch  ( hervorragend in Szene gesetzt von Petra Thesker ) griff das Messer an der Klinge. Aus Sicht der Kinder waren die Anweisungen klar und verständlich und trotzdem wurden sie nicht verstanden. "Diese Übung eignet sich besonders in der Arbeit mit Kindern", erläutert Deeskalationstrainerin Jutta Ameling, die das Projekt erarbeitet hat und durchführt.  "Sie zeigt bei viel Spaß und Gelächter die einfache Entstehung von Missverständnissen."

 

Diese Übung ist Bestandteil eines breit gefächerten und langfristig angelegten Konzepts mit einem präventiven Ansatz, das auf Vorbeugung statt auf Reparatur setzt. " Es ist jedoch mehr als Gewaltprävention", so Jutta Ameling weiter, "da auch allgemeine soziale Verhaltensfertigkeiten, wie das Erkennen und Benennen von Gefühlen oder der Umgang mit Wut gelernt und geübt werden."

Das Projekt sensibilisiert und befähigt die Kinder durch erlebnispädagogische und bewegungsorientierte Übungen und Spiele, die ihrem Bewegungsdrang Rechnung Tragen, positive Verhaltensweisen im Umgang miteinander kennen zu lernen und zu festigen.

Als Grundlage zur Konfliktlösung lernen die Schüler wo Gewalt anfängt, und ihnen wird deutlich gemacht, dass das subjektive Empfinden des Einzelnen sehr unterschiedlich ist. Ein weiterer Baustein ist die Förderung gruppendynamischer Prozesse durch Interaktions- und Kooperationsspiele, durch die die Klassengemeinschaft gestärkt wird.

Durch diese vielfältige und abwechslungsreiche und vor allem auf einander aufbauende Vorgehensweise bleiben die Inhalte besser haften und sie können bei Bedarf besser abgerufen werden. Dies wird durch den langen Zeitraum, in dem das Projekt durchgeführt wird, weiter gefördert. Das Projekt läuft über zehn Einheiten, die aus jeweils zwei Schulstunden bestehen. "Bei Bedarf kann die Thematik in anderen Klassen aufgegriffen und zielorientiert erweitert werden, " nennt Jutta Ameling einen weiteren Vorteil des Konzepts.

 

Ermöglicht wurde das Projekt durch die Michael-Endler-Stiftung, die eine Zustiftung zur Bürgerstiftung Coesfeld ist. "Ein tolles Projekt, das Unterstützung verdient", betont Lisa Feierabend von der Bürgerstiftung. "Es dient als gute Grundlage für die an den weiterführenden Schulen bereits bestehenden Konzepte."

"Die Schüler sind absolut interessiert, lebendig und für alles offen" , fasst Jutta Ameling die positive Resonanz auf das Pilotprojekt zusammen. "Das motiviert zum Weitermachen. Mir hat die Arbeit ebenso viel Freude bereitet wie wohl auch den Kindern und den unterstützenden Lehrkräften:"

 

Die Maria-Frieden-Grundschule hofft auf weitere finanzielle Unterstützung, damit das Projekt wie geplant auch im nächsten Schuljahr durchgeführt werden kann. "Wir wünschen uns eine jährliche Durchführung jeweils in den zweiten Schuljahren", so Schulleiter Benedikt Wachsmann, "aber nur durch den Förderverein und die Eltern ist eine Finanzierung eben nicht möglich."

Da das Thema wohl jede (Grund-) Schule in unterschiedlichen Formen und wechselnder Intensität beschäftigt und das Konzept problemlos den Bedingungen der jeweiligen Schule angepasst werden kann, ist Jutta Ameling gerne bereit, anderen interessierten Schulen das Projekt unverbindlich näher vorzustellen. 


 
 

 

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